2017 Viele Punkte ergeben noch keine Linie _Wernstein/Neuburg/Inn – Grenzorte

Viele Punkte ergeben noch keine Linie _Wernstein/Neuburg/Inn – Grenzorte

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Viele Punkte ergeben noch keine Linie
Symposium, Projektverlauf und Ausstellungsplan 2015 – 2017 Für jeweils zehn Tage im August 2015 und 2016 wurden Künstler_innen, Kollektive und Researcher_innen aus Deutschland und Österreich auf Einladung des Kulturprojekt Sauwald (Projektträger) in den Grenzort Wernstein/Inn geschleust, der aufgrund seiner geografischen Grenzlage (der Inn bildet die natürliche Grenze zwischen Deutschland und Österreich) ein idealer Austragungsort für die Beschäftigung mit dem Thema „Schmuggeln“ zu sein scheint. Seit Jahrhunderten hat sich hier bis zur Grenzöffnung innerhalb der EU eine rege Kultur des „Schwärzens“ (OÖ für “Schmuggeln”) etabliert. Anlass für die Wahl des Ortes Wernstein/Inn ist ferner die biografische Nähe beider Initiatorinnen, Alice Dittmar und Ingeborg Habereder, zu dem Dorf, in dem sie aufgewachsen sind. Ihre künstlerisch-kuratorische Ausgangsüberlegung war es daher, die regionale Spezifik des Schmuggelns und Schwärzens auf die eigene Praxis zu beziehen und dazu auch andere Kulturschaffende einzuladen.

Im Symposion 2015 sollte zunächst die Grundproblematik der Grenze kritisch hinterfragt werden: – die Grenze als nationale Konstruktion impliziert genauso wie auch die künstlerische Linienziehung auf einem Malgrund politische Unterscheidungsprozeduren. Welche Rolle spielen Grenzen für die zeitgenössische Kunst? Wer oder was wird (an-)geschwärzt – falls dieses alte Wort noch Bedeutung hat? Und schließlich: Welchen Einfluss können diese künstlerischen Praktiken auf das Dorf Wernstein/Inn und seine BewohnerInnen haben?
Der Fokus des Symposions lag damals auf dem Begriff des „Schmuggelns“ als Prozess des sich Hin- und Herbewegens. Im Gegensatz zum eher starren Begriff der Grenze als Trennlinie ermöglicht „Schmuggeln“ als (künstlerische) Strategie ein aktives Tun, eine alternative (künstlerische) Herangehensweise und Teilhabe. Beim „Schmuggeln“ geht es vielmehr um ein kontinuierliches Pendeln „im Dazwischen“, welches sich auf gedanklicher/ theoretischer, physischer, performativer und praktischer (interdisziplinärer) Ebene vollziehen lässt. Schmuggeln bietet Optionen!

Im August 2016 und damit knapp ein Jahr nach dem Einsetzen der „Flüchtlingskrise“ hatte sich gerade in dieser Grenzlage, zwischen Oberösterreich und Bayern, einiges verändert, weshalb der Begriff / das Thema „Schmuggeln“ auf aktuellem sozio-politischen Hintergrund nun unangebracht erschien.
Die Initiatorinnen hatten sich bald, noch im Winter/Frühjahr 2016, darauf verständigt, den Titel „Schmuggeln“ hin zum Fokus auf die Grenze(orte), die die Voraussetzung zum „aktiven Tun“ bilden, zu verändern. So fand das Treffen der KünstlerInnentruppe im August 2016 bereits unter dem Titel „Wernstein & Neuburg/ Inn statt“, der in 2017 auch der Untertitel der zugehörigen Ausstellung “VIELE PUNKTE ERGEBEN NOCH KEINE LINIE” sein wird.
In 2016 hatte man das Meeting v.a. zur Besprechung der Einzelprojektideen der TeilnehmerInnen genützt, die während des vergangenen Jahres konzipiert worden waren, sowie der Stärkung eines Gesamtgruppenkonzeptes. Wir einigten uns auf ein zweitägiges Ausstellungsprogramm in den Grenzorten Wernstein & Neuburg / Inn, 22-23.7.2017 , während dessen die einzelnen Projektideen ( allesamt Werke im öffentlichen Raum, Performances, Musik) präsentiert werden sollen.

Der FOKUS des Gruppenkonzepts liegt auf:

  • Nutzung des lokalen Rahmenwerks/Gegebenheiten & Bedingungen: Lage des Dorfes Wernstein im pittoresken Inntal als „Ex“-Tourismusgemeinde und Begreifen/Umformulieren der Ist-Situation zur Chance: Wernstein als globales Dorf (und de fakto historische Neubelebung als “Künstlererholungsklause”)
  • Nutzung der verbliebenen örtlichen Infrastruktur: Gasthof, Gästezimmer, Ortsbäuerinnen, Gemeinde Neuburg/Burgtaverne >>  und damit aktive Werbung für Wernstein als attraktive Alternative und kreative Tourismusgemeinde
  • Vermischen / Hinterfragen von privatem – und/oder öffentlichem Raum
  • Akives oszillieren zwischen künstl. Disziplinen (Text, Bild, Sound) und zwischen den zugewiesenen (sozialen) Rollenbildern z.B. Künstler*innen als Kurator+innen/Initiator*innen, Dorfbewohner*innen als Betrachter und/oder aktive Teilnehmer*innen etc.
  • Kollaboration

 

Mit Beiträgen von:

Jochen Becker (Berlin) www.metroZones.info
Alice Dittmar (Wernstein / Berlin / Peking / Perth) www.alicedittmar.de
Nora Gantert (Nürnberg / Berlin) http://irri-art.org/about-us/
Echo Ho (Peking / Köln) www.goechospace.com
Zora Kreuzer (Berlin) www.zorakreuzer.blogspot.de
Michael Hauffen (Berlin) www.m.hauffen.de
Pia Lanzinger (Berlin / Istanbul) www.pialanzinger.de
PRINZGAU/podgorschek (Wien) www.prinz-pod.at
Helmut Weber (Bitter & Weber) (Vancouver / Wien) www.lot.at , sowie
Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber) (CA / AT) www.lot.at/urban-subjects 
Monika Mokre ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und im Rahmen des Refugee Protest Camp Vienna aktiv.
Barbara Zehnpfennig (Passau), www.phil.uni-passau.de/politicshe-theorie-ideengeschichte